Interview: Emil Bulls

© Katja Münch
© Katja Münch

Heute haben wir die Ehre, anlässlich der anstehenden Tour mit Stopp u. a. in unserem schönen Dresden in der Scheune zum 20-jährigen Bestehen sowie zum kommenden Album, Jamie Richardson von Emil Bulls und damit die „härteste Indie-Band der Welt“ mit Fragen zu löchern.
NFS: Jamie, wir danken dir, dass du dir für uns etwas Zeit für das Interview nimmst, bevor der Tourstress beginnt. Nach nunmehr 20 Jahren: wie hart bzw. stressig ist für euch eine solche Tour oder ist es schon eine gewisse „Normalität“?

Jamie: Natürlich sind wir heute wesentlich erfahrener als vor 20 Jahren. Die Vorbereitungen sind aber wesentlich stressiger als in unseren Anfängen. Das liegt daran, dass man sich natürlich immer steigern will in Sachen „reibungsloser Ablauf“ der Technik etc. Außerdem ist die „Candlelight and Hellfire“-Tour nicht mit unseren vorherigen Touren zu vergleichen, denn das sind sozusagen zwei Touren in einer. Von „Normalität“ kann man also nicht annähernd sprechen. Ungetrübt ist aber auch nach so langer Zeit die Vorfreude auf die Tour. „The road is our home“ wie man so schön sagt.

NFS: Wie wir alle wissen, wurde leider das Release-Datum eures Albums recht kurzfristig verlegt (vom 30.10.2015 auf den 29.01.2016), jedoch habt ihr den Track „The Most Evil Spell“ in der „XX“ Version als Free Track bereitgestellt. Aber was erwartet die Hörer und Fans mit dem neuen Album? Was ist anders oder neu gegenüber deren Vorgängern?

Jamie: Der Free Track gibt schon ein ganz gutes Bild davon ab, was den Hörer erwartet. Ausgewählte Songs der letzten vier Alben haben wir in ein komplett neues Gewand gepackt, das entfernt an unsere erste Akustik-Platte „The Life Acoustic“ erinnert. Das ganze hat aber wesentlich mehr „Bombast“.

NFS: Ihr seid „die härteste Indie-Band der Welt“, von manchen werdet ihr gar auf die Nu Metal-Schiene geschoben, aber wo würdet ihr selbst euren Stil einordnen? Was hat sich in euren Augen in den letzten 2 Jahrzehnten am Klangbild und von der Einstellung zur eigenen Musik von Emil Bulls geändert? Schließlich habt ihr viele musikalische Einflüsse, von hartem Gitarrenspiel über melodiösem Gesang bis hin zu teilweise hardcore-ähnlichem Sound.

Jamie: In den letzten Jahren hat sich ein Begriff eingebürgert, mit dem wir uns ganz gut anfreunden können: Alternative Metal. Wir waren nie eine typische Metal-Band und werden das auch nie sein, aber man kann Emil Bulls schon zu der Metal-Szene zählen. Wir werden uns dadurch aber nie in unserer musikalischen Freiheit einschränken lassen.

NFS: Für das breitere Publikum wurdet ihre mit dem Cover vom a-ha-Hit „Take On Me“ oder mit „Smells Like Rock ’n‘ Roll“ in 2001 bekannt, dennoch war es noch ein weiter Weg bis zum heutigen Stand in der Musikszene. Wie habt ihr jedoch euren Werdegang erlebt mit Beginn bei der Teilnahme am traditionsreichen Nachwuchswettbewerb Emergenza im Jahr 1997, den ersten Erfolgen, der Touren z. B. durch Nordamerika, über die erfolgreichen Alben wie „Oceanic“ (2011) oder „Sacrifice To Venus“ (2014) bis hin zum heutigen Zeitpunkt mit der Krönung eures Jubiläums sowie dem neuen Album? Auch gab es bei euch in der Band eine Reihe von Veränderungen bzgl. des Personals im Laufe der Zeitgeschichte…

Jamie: Da kommen wir wieder zu musikalischen Zwängen und Schubladen. Seit unserer Gründung haben wir uns nie gescheut, neue Dinge auszuprobieren. Es gab auch nie eine definitive Entscheidung für einen Musikstil. Wir sind immer für Überraschungen gut. Die diversen Personalwechsel haben unsere Einstellung nur noch bestärkt. Jedes neu hinzugewonnene Mitglied konnte sich bei uns künstlerisch entfalten und wurde in alles mit integriert, was die Band betrifft.

NFS: Wie habt ihr eure Entwicklung in Verbindung mit dem sich einstellenden Erfolg damals realisieren bzw. reflektieren können? Hättet ihr euch jemals vorstellen können, 20 Jahre nach der Gründung eine solche Außenwirkung zu haben?

Jamie: Wir haben als klassische Schülerband angefangen. Natürlich hat keiner von uns Gedacht, dass das so eine große Geschichte wird aber so konnten wir eben auch gesund wachsen und sind nicht von Null auf Hundert in das Haifischbecken geworfen worden. Ich denke, wir können sehr stolz auf die vergangenen 20 Jahre sein. Wir haben so einige Höhen und Tiefen durchlebt.

Jamie Richardson @ Sacrifice to Venus 2014 © Jaro Suffner
Jamie Richardson @ Sacrifice to Venus 2014
© Jaro Suffner

NFS: Soziale Netzwerke und Online-Dienste sind heutzutage nicht mehr wegzudenken, nach Myspace folgte Facebook, dazu noch Twitter und die anderen bekannten Dienste wie YouTube und Instagram. Wie wichtig ist euch die Verbundenheit und der Kontakt mit den Fans online, aber auch die Publikation von neuem Material? Die knapp 47.000 Followern allein beim weitaus beliebtesten Netzwerk Facebook sprechen schon für sich, auch die Plays bei YouTube mit teilweise an die 200.000 pro Video…

Jamie: Die sozialen Netzwerke sind heutzutage fast das wichtigste Tool für eine Band um am Ball zu bleiben und im öffentlichen Leben statt zu finden. Uns ist das sehr wichtig und wir stecken hinter jedem Profil auch selbst. Es gibt viele, die denken, dass wir dafür Leute haben, aber wir stecken selbst hinter 95%. Das ist nicht immer ganz einfach und manchmal wächst es uns auch über den Kopf, aber wir wollen das selbst in der Hand haben. Der Kontakt zu unseren Fans ist uns auch sehr wichtig. Auch bei Konzerten hat man sehr große Chancen mit uns zu sprechen, ein Foto zu machen, ein Bier zu trinken etc.

NFS: Ihr habt am 25.11.2015 einen Tourstopp in der Scheune in Dresden. Was denkt ihr, was euch dort erwartet? Immerhin ist es nicht euer erster Auftritt in der sächsischen Landeshauptstadt… Werdet ihr überhaupt die Zeit haben, die Stadt zu erkunden oder seid ihr dann mit den Vorbereitungen zur Show beschäftigt? Wie läuft es während einer Tour oder einem Konzert bei euch intern ab? Könnt ihr unseren Lesen einen kleinen Einblick hierzu gewähren?

Jamie: Zeit um sich die Städte, in denen man spielt, anzusehen hat man selten. Wir haben aber schon diverse Off Days in Dresden verbringen dürfen und wissen daher, wie schön die Stadt ist. Wir sind tagsüber aber mit Soundcheck, Interviews und der Show genug beschäftigt. Da bleibt leider keine Zeit für Sightseeing.

NFS: Ihr seid nun lange genug in der Musikszene dabei, hattet bereits etliche Auftritte bei Festivals und Open Airs sowie unzählige Konzerte. Gab es denn eine Show, welche euch in Erinnerung geblieben ist, vielleicht weil diese die kurioseste oder beste bisher für euch war und warum?

Jamie: Nach 20 Jahren sammelt sich da so viel an, das würde den Rahmen sprengen. Wir haben so viele Länder bereist und so viele Shows gespielt, dass es fast vermessen wäre, eine hervorzuheben.

NFS: Was ist euch lieber: der Auftritt bei einem Festival bzw. Open Air unter freiem Himmel oder doch lieber bei einem (Club-) Konzert mit einem Dach über dem Kopf?

Jamie: Diese Frage kann man sich ganz leicht selbst beantworten. Ein Club-Konzert zeichnet sich immer durch die Intimität und die Nähe aus, wobei die Festivals sich durch die ganz eigene Stimmung auszeichnen. Es ist Sommer, es ist (hoffentlich) warm etc. Wir lieben beides.

NFS: Wo denkt ihr, werden wir Emil Bulls in der Zukunft sehen? Was habt ihr bereits in Planung nach Beendigung der Tour und dem Albumrelease?

Jamie: Natürlich werden wir nächstes Jahr ein paar Festivals spielen und nach der Platte ist auch immer vor der Platte. ;-). Außerdem ist eine DVD in Planung.

 

Wir freuen uns bereits jetzt auf die Tour der junggebliebenen Emil Bulls mit 19 Auftritten in Deutschland und einem in Österreich! Die Tour-Dates findet ihr hier.

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mf/dre

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